Reformationtag mit ChurchNight gefeiert

Referenten Churchnight 2009

Die vier Referenten wurden durch Pfarrer Dr. Christoph Glimpel mit einem Geschenkkorb bedacht (von links): Pfarrer Christoph Glimpel, Arzt Dr. Helmut Horn, Bürgermeister Thomas Haas, Hana Janeckova und Ortsvorsteher Thomas Kipp


Die evangelische Kirchengemeinde Schiltach feierte in diesem Jahr den Reformationstag auf eine ganz besondere Art. Erstmals veranstaltete sie am Samstag in der Stadtkirche eine so genannte ChurchNight, eine „Kirchennacht“. Zur frühen Abendstunde kamen hier Gemeindeglieder, Interessierte und Freunde der Kirchengemeinde zusammen und ließen sich von vier Personen des öffentlichen Schiltacher Lebens die Bibel auslegen.

In vier getrennten Vorträgen entwickelten Bürgermeister Thomas Haas, der Arzt Helmut Horn, die Tourismusmanagerin Hana Janeckova und der Lehengerichter Ortsvorsteher Thomas Kipp ihre Gedanken und Interpretationen zu den Selig-preisungen der Bergpredigt. Pfarrer Christoph Glimpel, dem die Leitung dieser Vortragsveranstaltung oblag, nannte die vier Statements Juwelen mit unverwechselbarer Individualität, und die Zuhörer stimmten dieser Meinung uneingeschränkt mit langem Applaus zu. Die Vorträge, so empfanden es die Besucher, ließen das Beisammensein zu Gottesdienst und Predigt werden.

Bürgermeister Haas nannte die Seligpreisungen die Quintessenz des christlichen Wertekanons und sieht in den einzelnen Aussagen der markanten Jesuspredigt gleichsam einen Protest Gottes gegen die profane, gewalttätige und gierige Welt. Sie seien ein Fingerzeig, dass der Mensch als Sünder nur durch die göttliche Gnade erlöst und Seligkeit erfahren könne. Helmut Horn unternahm zunächst einen religionsgeschichtlichen Exkurs hin zur Entstehung der Seligpreisungen und nannte sie revolutionär, „das sie bis heute geblieben sind“. Sie würden nicht die Begünstigten, sondern die Nichtbegünstigten in den Vordergrund stellen. Diese Maxime mahnte Horn mit Nachdruck auch von der Politik ein. Die Seligpreisungen seien das Gegenprogramm eines lauwarmen Christentums. „Schau weg von dir selbst, schau auf die, die Jesus selig nennt“, ist für Horn der Kern der Seligpreisungen.

Hana Janeckova berichtete von ihrem Weg und ihrer Entwicklung hin zu Gott und der Bibel und gab dann ihre ganz persönliche Exegese zu den einzelnen Themen der Bergpredigt, begründet auf vielerlei Erfahrungen. Zum Weiteren gab sie Vorschläge und Beispiele von Umsetzungsmöglichkeiten. Thomas Kipp erinnerte an seinen nachhaltigen Besuch auf dem Berg der Seligpreisungen in Israel und der dortigen Kirche. Er nannte die Seligpreisungen eine „Betriebsanleitung von Gott“ an die Menschen, und er fügte hinzu: „Die Seligpreisungen sind für mein tägliches Leben eine wichtige Hilfe.“ Um den Sinn der Seligpreisungen aufzuschließen, beleuchtete er in origineller Weise ihren Gegenpart.

Gemeinsames Singen ergänzte die Vorträge. Die Lieder waren von den Referenten ausgesucht und jeweils an den Inhalt ihrer Aussagen angepasst worden.

Pfarrer Glimpel hatte zu Beginn ein Grußwort gesprochen und ging dabei anhand von Beispielen auch auf die „Botschaft der Reformation und ihre Aktualität“ ein. Gegen den Missbrauch von Religion durch Menschenhand habe Luther Gottes Unverfügbarkeit gesetzt. Kirche sei für die Reformatoren keine Institution und kein Gebäude, über die man verfügen könne, sondern ein unverfügbares Geschehen. Kirche sei da, wo die frohe Botschaft von Jesus Christus verkündet werde. Ohne die drei Faktoren „Bibel, Heiliger Geist und Prediger“ könne keine Kirche stattfinden. Die Reformation habe menschlicher Willkür in Sachen Religion damit einen Riegel vorgeschoben. Den vier Referenten überreichte er als Dankeszeichen unter dem langen Beifall der Besucher je einen Geschenkkorb, eingerahmt in ein passendes Lutherwort. Sein Dank richtete sich auch an Kantor Detlev Zeller für dessen Orgelspiel. Es bestand anschließend Gelegenheit zum persönlichen Gespräch.

Neben den Vorträgen hatte die ChurchNight noch einen zweiten anschließenden Teil, der der Jugend und den „Junggebliebenen“ vorbehalten war. Bei Musik, Film und Mitternachtsbuffet verbrachten sie die Nacht in der Kirche, ebenfalls eine außergewöhnliche und nicht alltägliche Aktion an einem Reformationstag. (siehe dazu Extrabericht ab dem 06.11.2009)