Rückblick Männerwanderung 2011

Gruppenbild Männerwanderung 2011
Gruppenbild der 2011er Männerwanderung

Die Männerwanderung 2011
von unserem Wanderkamerad Michael Buzzi live auf dem iMac protokolliert

1. Tag: 16. September
Morgens beim Anfahren der Kirche im Radio: „Guten Morgen, heute ist Donnerstag der 15.9." Kleiner Schreck, die Männerwanderung beginnt also erst morgen?? Doch dann: „Entschuldigung, es ist Freitag der sechzehnte!“
Abfahrt um 7.00 Uhr mit drei Autos. Entspannte Reise über Basel, Liestal, Waldenburg. Unser Hotel Erica in Langenbruck ist überaus gemütlich. Schöne alte aber absolut gepflegte, liebevoll renovierte Zimmer. Parkettböden, hohe Fenster, das Ganze Anfang des letzten Jahrhunderts im Jugendstil erbaut.
Erst mal einen schönen Kaffee, unentgeltlicher Begrüßungstrunk unserer freundlichen Hauswirtin Frau Maier. Sollten allerdings bald los, heute haben wir sicher das beste Wetter des Wochenendes. Eine schöne aussichtsreiche Tour verspricht uns Christoph Glimpel, der auch heuer für uns die Wanderungen ausgewählt hat.
Auf dem Höhenweg von Genf nach Zürich… nein, natürlich nur ein kleines Stück davon! Einstieg ist der Chilchzimmersattel.
10.00 Uhr Fröhlicher Abmarsch durch Langenbruck, vorbei an mehreren alten Wirtschaften, die einen schon zu Beginn der Wanderung locken, doch gemütlich einzukehren, anstatt sich der Tortur einer Gipfelbesteigung hinzugeben.
Wir ziehen lachend letzteres vor und steigen auf zum Gehöft Bechburg. Staunend stehen wir vor einem alten Vorhof, der heute als Parkplatz genutzt wird und mit neun riesigen Kastanien quasi überdacht wird.
Um 11.23 Uhr erreichen wir die Alt Bechburg, gegründet vor 1100. Vollständig aus unbehauenen Steinen. Scheint mal mit Magerbeton befestigt worden zu sein, nein nicht nur befestigt, regelrecht nachgebaut. Gedenkstein aus Sandstein mit Großbuchstaben, das U historisierend als V geschrieben. Eigentum des historischen Vereins seit 1930. Ausgegraben und konserviert 1936/37.
Um 12.38 Uhr dann Höchi Flue 966m. Gevespert, getrunken, sehr schöner Aussichtspunkt, von hier aus kann man die Jurakette wunderbar verfolgen.
Unten abrupter Übergang ins Flachland, alles voll niederer Industriegebäude. In der hohen Ferne sieht man die Gipfel der Alpen. Wunderschönes Wetter.
Vorbei am Dube Brunne, ein Stein mit eingefügtem Rohr, das schön schüttet. Das Wasser schmeckt schal, einfach nach gar nichts, aber ist sauber und klar. Rasch die Flasche gefüllt, rettet mich über die Hitze des Tages.
Kommen raus an einem Pass Santel Höchi, hier geht die Straße durch, müssen gerade über die Straße, stöhnen in der Hitze, den oberen oder den unteren Weg? Den oberen ruft unser Wanderführer überzeugt an einer riesigen Buche, deren Geäst erst ganz oben in der Krone beginnt. Durch einen verwachsenen Wiesenweg wieder an einer Passtraße, nicht einer, DER Passstraße, wir sind eine halbe Stunde im Kreis gelaufen...
Rechtfertigung der Wanderführung: Veraltete Karte, ab jetzt wird die neue benutzt.
Auf der Fahrstraße (nun eben über einen Buckel weniger zur Belchenflue, die Enttäuschung im Volk darüber hält sich in engen Grenzen ...) weiter nach Bärenwil, ein überaus nettes Dörflein von wenigen Häusern, in der City eine Straßenkreuzung gleich hinter der Kirche.
Vor uns inmitten idyllischer Landschaft der dampfende Kühlturm eines Kohlekraftwerks unten in der Ebene.
Um 15.36 Uhr unter dem Gipfel der Belchenflue 1055 m.
Das war jetzt noch eine ganz schöne Anstrengung, hier hochzulaufen. Teilweise waren es Treppenstufen, die man ganz langsam nehmen muss. Denn die Treppen geben einem eine Schrittweite vor, die für diese Steigung zu hoch ist. Silberdistel und Enzian laden am Wegesrand ein etwas innezuhalten und auszuschnaufen.
Eigenartigerweise sitzen wir hier oben vor einem Wasserreservoir. Ob das hier eine jener Hochquellen ist, die ihr Wasser hoch in den Bergen schütten? Aber das fungiert hier wohl eher als Wasserturm.
Ausruhen und eine Andacht von Daniel in Dialekt, über den Petrus, der mal was Neues wagt und dann doch wieder im Alltag zu versinken droht.
Die Unentwegten gehen dann noch voll rauf (1099m) und sehen bis ans Ende der Erdenscheibe. Und wenn man ihnen glauben soll, noch darüber hinaus.
Unterhalten uns über die Bedeutung des Wortes Belchen. Von keltischen Sonnensichtachsen über die verschiedenen Belchen bei Tag- und Nachtgleiche.
Beim Abstieg stellt uns unser Wanderführer drei Wege zur Auswahl: einen langen, an den ich mich nicht mehr erinnern kann - wurde gleich einstimmig abgelehnt, einen mit Abstecher und Abstieg zu einer Wirtschaft, oder den direkten Weg. Wir nehmen den direkten Weg und siehe auf dem Weg finden wir um 17.02 Uhr die Bergwirtschaft Dürstel, und wahrlich: es dürstelt uns sehr! Ein kühles Radler tut gut.
Sitzen in der Abendsonne, Kuhgeläut um uns rum.
Warum sind die Wiesen so eigenartig terassiert? Sieht aus wie Höhenlinien, die sich über die Matten ziehen.
Es scheint hier wirklich so steil zu sein, dass sich die Kühe so was wie Wege treten, die zick-zackförmig nach oben führen.
Man sitzt gut hier, Abendessen gibt es heute erst um 20.00 Uhr.
Erster Schock: Zwei Bier und ein großer süßer Sprudel: SFr 20,30 (!).
Um 22.01 Uhr Ende des guten Abendessens im Hotel. Eine Cremesuppe, danach ein schöner Salat, Hirschgulasch mit Knöpfli, in der Karte natürlich wesentlich aufwändiger formuliert, zum Nachtisch Kirschen, Eis und Sahne.
Danach noch einen Kaffee, prima!
Die Füße sind schwer und eine gewisse Bettschwere ist vorhanden.
Ein schöner Tag geht zu Ende.

2. Tag: 17. September
Zum Frühstück gabs "nur" Marmelade, Käse und Müsli, jedoch alles von allerbester Qualität. Und den Kaffee nicht aus dem Automaten, sondern ein wunderbarer Filterkaffee.
Mit dem Auto eine kurze Strecke nach Ramiswil, 637m.
Extrem steiler Aufstieg durch Buchenwälder auf Schienboden, 802m, danach hoch auf die Chrüzlimatt. Hier machen wir ein schönes ausführliches Gruppenfoto, weiter durch einen märchenhaften Buchenhain. Eine Hochweide gesäumt und unterbrochen von altehrwürdigen Buchen. Ebereschen, teilweise fast ohne Blatt, aber noch voll mit Beeren, Silber ergraut.
11.44 Uhr Gasthaus Alpenblick, das wir nur tangieren.
12.30 Uhr Panorama am Brunnersberg, 1125m.
13.23 Uhr Erreichen der Bergwirtschaft Güggel. Hier machen wir Mittagspause.
Der Weg hierher teils in dichtem Nebel.
Unterwegs immer wieder echte Schafgarbe, teilweise tiefrot. Wo der Nebel wegzieht, ist die Sicht wie reingewaschen, alles scheint besonders scharf und nah. In der Ferne Basel, schließt sich dort der Blauen und weiter rechts der Belchen an?
Die Speisekarte ist angenehm kurz, schließlich entscheiden sich alle für die Rauchwurst, die sich dann als prima heiße Bratwurst entpuppt.
Sprechen über die Reize von kleinen und großen Autos.
Das Zahlen ist schließlich eine eigene Geschichte. Die Bedienung ist dankbar für Ulrichs Hinweise auf starke Unausgeglichenheiten in der Rechnungsstellung, die letztlich deutlich zu ihren Ungunsten ausgegangen wären. Entsprechend warmherzig ist ihr Abschied.
14.48 Uhr Scheltenpass, 1051m. Sehr angenehmer Abstieg.
15.24 Uhr Habt Erbarmen und bleibt mal für kurze Zeit stehen. Das unebene Gelände verbunden mit Abstieg lässt den Lüfter meines Hauptrechners hochlaufen.
Eine Andacht trägt zum weiteren Ausruhen bei.
Christoph Glimpel hat seine Gebetszeit in den letzten Tagen auf das Glockengeläut ausgerichtet. Und ganz neue Erfahrungen damit gemacht. So richtet sich die Gebetszeit nicht mehr nach Alltag und Gelegenheit, sondern umgekehrt.
Ein guter und schöner Gedanke.
18.56 Uhr wieder daheim und geduscht.
Gen Ende der Wanderung wurde es nun doch etwas schwer. Der Weg war weit, holprige Abstiege besonders anstrengend.
Ob man die Kuhglocken mit der Zeit als Lärm empfindet? Ich gebe zu: ein gewisser Mindestabstand wirkt angenehm.
Zum Abendessen Boullion und Lasagne, Treppensteigen fällt schwer, obwohl die Treppen unheimlich bequem dimensioniert sind.
Die Eindeckung des Esstisches ist wieder sorgfältig und stilvoll.

3. Tag: 18. September (Sonntag)
Der Tag beginnt mit heftigem Regen. Es sieht so aus, als ob wir heute nicht wandern können. Einen reformierten Gottesdienst in Balsthal hatten wir uns sowieso eingeplant, passt also gut. Heute ist ein staatlich verordneter Buß- und Gebetstag, der hier bewusst begangen wird. Die Predigt in Schwizerdütsch muss dem einen oder andern simultan übersetzt werden. Ein schöner Gedanke daraus: Der Pfarrer sinniert darüber nach, warum im Alten Testament von Gott immer nur Männer genannt und angesprochen werden, und kommt zu dem Schluss, das war in weiser Voraussicht, denn allzu gern überlassen die Männer die religiösen Dinge ihren Frauen :-)
Nach der Kirche regnet es immer noch, also heim.
Mit einem gemütlichen und lustigen Mittagessen beenden wir unsere zehnte Männerwanderung.