Bericht:
Christoph Glimpel.

Sämtliche durch Anführungs-zeichen („“) gekennzeichnete Textbrocken stammen aus dem Live-Mitschrieb von Michael Buzzi.

Das war sie – die Männerwanderung 2012!

September, Wandermonat! Auch 12 Männer unserer Kirchengemeinde machen sich (wieder einmal) auf den Weg, Gottes herrliche Natur auf Schusters Rappen zu erkunden!

Tag 1:
Freitag (14.9.) früh versammeln wir uns unter Glockengeläut vor der Kirche und starten ins Allgäu. Glockengeläut ganz anderer Art erwartet uns in der Zielregion: Die Viehscheid (Almabtrieb) steht an! Doch die ersten zu Tal Getriebenen sind wir: Man lotst uns nach Weißach, dort schwemmt uns der Strom zahlloser Pkws auf eine zum Großparkplatz umfunktio-nierte Wiese...

Ein sächselnder Trachtenträger informiert uns über die Unerreichbarkeit des geplanten Ausgangsortes unserer Wanderung. Also wird umdisponiert: Gegen den Autostrom geht es zurück zur Bundesstraße und auf ihr zur Talstation der Hündlebahn. Wir lassen sie links liegen und steigen hinab zu den Buchenegger Wasserfällen. Erstmals fält uns das typische Gestein der Gegend auf: „Die Wände sehen aus wie Magerbeton, heißt hier Nagelfluh.“ Dann bieten sich Bilder, die man problemlos auch in einem Kanada-Bildband platzieren könnte: „Aus einer Höhe von vielleicht 30 Metern fällt das Wasser in ein Becken, dreht und wendet sich, um dann kristallklar an einem kleinen Strand vorbeizufließen. Das Licht der Sonne glitzert in der Gischt.“

Männerwanderung 2012

Nächste Station: Alpe Sonnhalde mit Demeter-Qualität (www.alpe-sonnhalde.de). Die Story dahinter in Kurzfassung: „Ein ehemaliger Laborleiter steigt aus und wird Senn.“ Wir genießen Geißenfrischkäse, Buttermilch, Radler und die Septembersonne. Schatten spendet ein knorriger Holunder, an dessen Ästen Bananen hängen.

Männerwanderung 2012

Gesättigt Gesättigt bewältigen wir den harmlosen Aufstieg zum Hündleskopf (1112 m), genießen den Ausblick auf den großen Alpsee und kommen mit einer Frau ins Gespräch, die ihr stämmiges Hündle ausführt (das aber angeblich ganz mager sein soll für seine Rasse). Der Berg präsentiert sich uns zunächst mit einem Scheingipfel, auf dem dank Selbstauslöser das einzige Gesamtgruppenbild entsteht.

Männerwanderung 2012 Auf
Auf dem echten Gipfel steht ein Kreuz, und wir sitzen wenige Minuten später wieder auf einer Alpe und nähren uns. Am Sessellift ergeben die Verhandlungen mit dem Personal keine überzeugende Preisreduktion. Schlecht für den Umsatz: Nur ein Viertel von uns schwebt zu Tal, die anderen laufen.

Nun ist die Durchfahrt in Weißach frei, an Festzelten und beginnender Oktoberfeststimmung vorbei geht es nach Steibis hinauf und dann über eine Mautstraße zu unserem Domizil, dem Berggasthof Hochbühl (www.berggasthof-hochbuehl.de). Die Männer verteilen sich auf zwei 6er-Zimmer. „Es bildet sich spontan ein Duschzimmer und ein No-Duschzimmer. Die No-Duscher haben Zeit, sich die morgige Tour anzuschauen.“ Man kann sie nämlich von der Terasse aus sehen!

Männerwanderung 2012

Abends geselliges Beisammensein. Ab einer bestimmten Höhe gibt es die Anrede „Sie“ nicht mehr: Wir werden geduzt, und wir duzen zurück. Das Haus ist ausverkauft, außer uns ge-nießt u.a. auch eine Ostfriesengruppe die Gegend und (im Unterschied zu uns!) reichlich Hochprozentiges. Sie sind nicht zum Wandern hergekommen und haben für diese Sportart auch kein Verständnis (dies wurde im persönlichen Gespräch offen zugegeben). Derweil freuen wir uns auf die morgen anstehende Gratwanderung! „Das No-Duscher Zimmer sitzt noch am längsten.“

Männerwanderung 2012

Tag 2:
Jetzt geht´s auf den Grat! Vorbei an Kapelle und Kräuteralp streben etliche direkt hin-auf, während andere dem bequemen Weg treu bleiben, der später auf den Grat führen wird. Wiedervereinigung am Eineguntkopf (1639 m), dann herrliche Kraxelei, der Seelekopf (1663 m) wird von einigen – teils freiwillig, teils unfreiwillig! – umgangen, und dann ist für etliche der Hochgrat (1834 m) dran, höchste Erhebung der Nagelfluhkette.

Männerwanderung 2012

Rückkehr und Einkehr im Staufener Haus (1600 m): „Ein Bier in einem schönen bauchigen Halbeglas. Gerstensuppe, Buttermilch, Zwetschgendatsche und eine Tasse Kaffee.“
Der Abstieg ist hart: 500 Höhenmeter auf einer kiesigen Straße, dann durch wildromanti-sches Gebiet: „Von niedrem Gras und Moos überwucherte, oft fast runde Nagelfluh-Säulen, die wie abgesägte Baumstumpfe aus der Wiese ragen. Enzian, Silberdistel am Wegesrand. Alte knorrige Bergahorne, jeder eine ganz eigene Form bildend, nieder, hoch, bizzar.“ An-dacht zur Tageslosung: „Der HERR lebt! Gelobt sei mein Fels!“ (Ps 18,47).

Männerwanderung 2012

Dann wieder daheim: „Wirtschaft genagelt voll, Kassler mit Kartoffeln und Sauerkraut“, BMW-Betriebsausflug. Später: „Ein Alleinunterhalter mit Westerngitarre, könnte deutlich schlechter sein, handgemachte Musik.“

Tag 3:
„Wegen der überaus kargen sanitären Anlagen ist es unerlässlich schon um 6 Uhr aufzustehen, damit man sich noch einigermaßen entspannt waschen und duschen kann. Und wenn man schon wach ist, dann redet man sich auf den lokalen Berg, es ist zwar extrem steil, aber uns zieht der Sonnenaufgang nach oben. Das Allgäu liegt vor uns, tiefe Wolken ziehen sich wie überdimensionale Flüsse durch die Täler. Nach dem Frühstück genau diesen Anstieg auf den Höhenkamm der Bergkette bis vor zum Kojen. Auf einer Alm unmittelbar darunter trennen sich die Wege.“

Männerwanderung 2012
Vorbei am luxuriös anmutenden Hotel „Hochhäderich“ geht es für 5 Kraxelfreunde auf den gleichnamigen Berg (1565m) – nicht jedoch ohne vor dem Gipfelsturm noch österreichische Gastlichkeit zu genießen! Vom Gipfel dann weiter den Grat entlang bis zu der Stelle, wo wir gestern eingestiegen sind. Die bislang unterhaltsamsten Kletterstellen, einem entgegen-kommenden Hund müssen wir vom Weitergang abraten. Dann runter vom Grat, viel zu früh, aber die Heimfahrt steht bevor. Die letzten Eindrücke vom Berggasthaus werden von Apfel-strudel und Eis dem Gaumen eingeprägt. Keine Frage: Diese Männerwanderung war (mal wieder) ein Genuss!

Männerwanderung 2012